Oldenburger Hafenromantik

Im Leben gibt es nicht nur Schwarz und Weiß, sondern auch viele Grautöne. Das habe ich als Jugendlicher in den Jahren 1973 bis 1977 auf besondere Weise erfahren. Durch die Tätigkeit im Oldenburger Hafen lernte ich ein Milieu kennen, dass mich faszinierte, und dem ich über viele Jahre verbunden blieb. Die Menschen, denen ich dort begegnete, hatten ihr Herz oft auf dem rechten Fleck. Ihnen ist diese Seite gewidmet.

Hans Albers & Große Freiheit

Als Jugendlicher träumte ich davon, zur See zu fahren. Das lag auch an den Liedern von Hans Albers („Nimm mich mit, Kapitän“), Lale Andersen („Blaue Nacht am Hafen“) und Freddy Quinn („Junge, komm bald wieder“), die ich bereits als Kind gern gehört hatte – und die mich noch heute anrühren. Filme wie der UFA-Klassiker „Große Freiheit Nr. 7” (mit Hans Albers) verstärkten meine Sehnsucht.

Hafen inmitten der Stadt

Die romantische Vorstellung von der Seefahrt und allem, was damit zusammenhängt, trieb mich in der Stadt, in der ich aufwuchs (Oldenburg i.O.), immer wieder zum Stadthafen mit den damaligen Lagerhäusern. Der Oldenburger Hafen ist sowohl ein Binnen- als auch ein Seehafen, denn Oldenburg ist über den Küstenkanal mit dem Rhein und über die Hunte mit der Nordsee verbunden. Deshalb können in Oldenburg sowohl Binnenschiffe als auch kleinere Seeschiffe („Kümos“) anlegen. Der Stadthafen wird in Oldenburg als „Stau“ bezeichnet. So heißt auch die Straße, die das ehemalige Gebiet der Lagerhäuser rund um den Hafen umschließt.

In meiner Jugendzeit wurden im Oldenburger Stadthafen Waren und Güter „gestaut“. Heute staut sich im alten Stadthafen nur noch das Wasser aus Hunte und Küstenkanal. Die alten Lagerhäuser und die Speichergebäude aus Backstein gibt es nicht mehr. Sie wurden abgerissen und durch langweilige Bürogebäude mit glatten Fassaden ersetzt. Seitdem werden Güter und Waren nur noch im neu ausgebauten Industriehafen, der am östlichen Stadtrand Oldenburgs liegt, umgeschlagen bzw. „gestaut“. Dort stehen die Kräne, die einst an der Hafenstraße, der heutigen „Hafenpromenade“, standen.

Ab Anfang 1973 arbeitete ich – zunächst als Schüler der Graf-Anton-Günther-Schule – in einem der Lager- und Umschlagbetriebe mit, die im Oldenburger Hafen ansässig waren. Es handelte sich um eine Niederlassung der „MIDGARD Deutsche Seeverkehrs-AG“, die kurz danach als „RHENUS-MIDGARD“ firmierte. Deren Lagerhäuser befanden sich an der Hafenstraße und an der Güterstraße. Wenige Monate später – im Sommer 1973 – musste ich die Schule verlassen. Mehr dazu unter: Graf-Anton-Günther-Schule.

Arbeit im Hafen

Als ich die Schule verließ, hatte ich nicht einmal den Hauptschulabschluss erreicht. Aber das war mir egal. In der Welt, in der ich leben wollte, kam es darauf nicht an. Das glaubte ich jedenfalls. Es war die Welt der Häfen und der See- bzw. Schiffsleute. Diese Welt hatte ich bisher nur oberflächlich kennengelernt. Nun lernte ich sie etwas besser kennen.